Dr. Roxane
Lorenz

Dr. Roxane Lorenz,
Leiterin Forschung und medizinisch wissenschaftliche Abteilung 

Wie läuft die Arbeit in der Forschung und Entwicklung bei Dr. Ausbüttel ab?
In unserer Abteilung arbeiten Kollegen mit den verschiedensten Hintergründen: Naturwissenschaftler wie Biochemiker, Materialwissenschaftler oder auch Betriebswissenschaftler. So können wir die Produktteams breit und mit viel Expertise aufstellen. Dafür arbeiten wir in der Forschung und Entwicklung in sogenannten Blocktagen: Dann setzen sich alle Teammitglieder zusammen und arbeiten intensiv und gemeinsam an der Entwicklung eines neuen Produkts. Das ist besser, als wenn jeder nur an seinem eigenen Schreibtisch wurschtelt.

 

Und wie verläuft der Entwicklungsprozess eines neuen Produkts?
Unsere Arbeit beginnt mit Feedback. Kunden geben uns Input zu ihren Wünschen oder lassen uns wissen, wenn etwas nicht richtig funktioniert. Dann besprechen wir, was wir konkret tun können, um den Anforderungen gerecht zu werden und Lösungen zu finden: sei es ein neues Material oder auch ein anderer Klebstoff. Danach entwickeln wir verschiedene Prototypen, die wir in enger Zusammenarbeit mit dem Kunden ständig verbessern. Ist das finale Produkt dann fertig, geht es in die Testung und Zulassung. Das kann, je nach Komplexität des Produkts, einige Monate oder sogar mehrere Jahre dauern.

 

Nach welchen Standards entwickeln Sie denn die Produkte?
Alle unsere Produkte werden nach der Norm 13485 zertifiziert. Die relevante Norm für alle Produzenten von Medizinprodukten ist die 13485 für das Qualitätsmanagement. Dazu richten wir uns auch nach der Medizinprodukteverordnung und zukünftig nach der Medical Device Regulation, die festlegen, welche Anforderungen erfüllt werden müssen, damit ein Produkt sicher auf den Markt kommen kann. Diese Dokumente sind die wichtigsten der verschiedenen Normen und Standards für uns. 

 

Wie halten Sie sich auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft?
Wir besuchen viele Fortbildungen im Jahr: zum Beispiel zum Thema Wundversorgung oder auch zur Durchführung klinischer Studien. Vieles lernen wir aber auch bei Hospitationen oder nationalen und internationalen Kongressen. Dort tauschen wir uns mit Kollegen, die in anderen Unternehmen arbeiten, aus. In den seltensten Fällen werden wir nur einmalig fortgebildet. Die meisten Themen sind fortlaufende Prozesse, da sich der Stand der Wissenschaft natürlich ständig ändert.

 

Was treibt Sie bei Ihrer täglichen Arbeit an?
Ganz klar: Zu wissen, dass wir am Ende ein Produkt entwickelt haben, das Patienten mehr Lebensqualität verschafft – und kein Lifestyleprodukt, das teuer ist, aber am Ende gar nichts bringt.

 

Auf welche Entwicklung sind Sie besonders stolz?
Was mir besonders im Kopf geblieben ist, ist das Piratoplast Foam Sensitiv – ein Produkt, das wirklich lange gebraucht hat, um so auf den Markt zu kommen. Dort haben wir geschafft, eine lange Tragezeit bei sanftem Ablösen zu erreichen. Etwas, das technisch nur schwer umsetzbar ist, aber essenziell für die effektive Behandlung einiger Wunden ist. Das Pflaster ist ein Nischenprodukt für seltene Erkrankungen wie die Schmetterlingskrankheit bei Kindern und kein Produkt mit hohen Umsatzerwartungen. Bis da die Entwicklungskosten wieder drin sind, wird es noch etwas dauern – aber es war ein Herzensprojekt von uns.