Soziales Engagement

Erfahrungsbericht von Stephan Kohorst

Erfahrungsbericht von Stephan Kohorst
Geschäftsführer

Bahnhofsmission, Dortmund

„Manager in der Mission“

Der Berufsalltag von Stephan Kohorst spielt am Schreibtisch, in Konferenzräumen, auf Meetings und in der Bahn - unterwegs zu Kunden. Kohorst ist Geschäftsführer bei Dr. Ausbüttel & Co. GmbH. Ein Entscheider. In der vergangenen Woche tauschte der 37-Jährige die Rolle. Er arbeitete bei der Bahnhofsmission mit.

Kurzwechsel heißt das Programm, das es Führungskräften aus der Wirtschaft ermöglicht, einige Tage lang Erfahrungen in einer sozialen Einrichtung zu sammeln. Schon 200 Manager und andere Entscheider haben die Chance genutzt - Stephan Kohorst ist der erste aus Dortmund. Sein Fazit ist vielmehr eine Empfehlung: unbedingt nachmachen!

Mal über die eigenen Grenzen hinausgehen, in einem Bereich, zu dem er maximale Distanz hat - das war die Idee des Unternehmers. Die Bahnhofsmission mit ihrer Klientel, vielen Drogenjunkies und Obdachlosen bot sich an. „Weil ich noch nie betrunken war, nie gekifft habe, nicht einmal rauche.“ Viel Distanz also.

Doch die war schnell überwunden. „Mein Menschenbild hat sich verbessert“, sagt Kohorst nach einer Woche. Das Bemühen der „Gäste“ um wenigstens einen Rest an Würde. Ihre Dankbarkeit für Banalitäten, „allein schon dafür, einen Raum gefunden zu haben, aus dem man sie nicht hinaus wirft“.
Die hohe Motivation der Mitarbeiter bei ihrer „wenig glamourösen Tätigkeit, für die man keinen Applaus auf offener Szene erntet“. Das alles habe ihn tief beeindruckt.

Nein, räumt Stephan Kohorst ein, er könne auch jetzt noch nicht nachvollziehen, dass ein 15-Jähriger als Strichjunge seinen Körper verkauft, um sich von dem Geld, dass der Freier ihm gibt, einen Schuss zu setzen. „Das wäre wohl auch zu viel verlangt nach einer Woche.“ Aber er habe mehr noch als zuvor begriffen, dass jeder Mensch Respekt verdient hat.
Und dass die Mitarbeiter der Bahnhofsmission ihr „Ego zurückstellen müssen hinter die Sache“. Wie auch er selbst, als Missions-Leiter Axel Rolfsmeier ihn mit der Sammelbüchse losschickte. Um Spenden bitten und betteln. „Grenzwertig“, fand Kohorst, „weil mir so etwas gar nicht liegt.“ Aber die allermeisten Leute haben etwas gegeben. Auch eine Erfahrung.

(RuhrNachrichten Dortmund, 4. Mai 2005)

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