Soziales Engagement

Erfahrungsbericht von Luis Mendes

Erfahrungsbericht von Luis Mendes
Leiter Logistik

Fritz-Heuner-Heim, Dortmund

Nach meinem Wunsch einen Kurzwechsel durchzuführen wurde mir das Fritz-Heuner-Heim in Dortmund angeboten. Es handelte sich hierbei um ein Altersheim wo sich überwiegend demenzkranke Menschen befinden. Ich war erst ein bisschen skeptisch, ob das wirklich das richtige für mich ist und dachte mir erst mal abzuwarten was mir der Heimleiter so mitteilen würde, was mich dort erwartet.

Nach einem Gespräch mit dem Heimleiter Herrn Dorn habe ich mich dazu entschlossen die Woche auf mich zukommen zu lassen. Ich sollte in dem Bereich eingesetzt werden der sozialen Betreuung der Heimbewohner, die sich in den unterschiedlichsten Stadien der Demenz befinden. Bisher war mir gar nicht klar was überhaupt alles unter den Begriff DEMENZ fällt. Am Morgen des 28. September 2009 wurde ich jedoch sehr schnell mit der Realität konfrontiert, die von vielen Menschen gern vergessen oder schöngeredet wird.

Meine Arbeit begann morgens um 08:30 Uhr wo ich das Betreuerteam kennenlernte. Nach dem Kennenlernen ging es auch schon für mich los. Ich ging die tägliche Runde durch die verschiedenen Stationen, bei der alle Heimbewohner einzeln begrüßt werden und geschaut wird, wie es ihnen geht. Wir gingen auch in alle Zimmer von den Bewohnern, die schon in den letzten Stadien der Demenz waren. Hier hatte ich eine totale Blockade auf die Menschen zuzugehen. Es war einfach ein Gefühl von Leid und von Schock, die Menschen in so einem Zustand zu sehen. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass es diesen Menschen innerlich vielleicht gut tat, dass jemand nach ihnen sah und für sie da war.

Nun bereiteten wir einen Raum vor, in dem wir mit den Bewohnern etwas Morgengymnastik durchführen wollten. Wir holten die Bewohner, die mitmachen wollten, einzeln aus den Stationen hinunter. Es gab zwar einzelne, die von selbst kamen, aber der größte Teil musste geholt werden, da sie im Rollstuhl saßen oder nicht daran denken würden herunterzukommen. Die Übungen, die wir machten, unterstützten die täglich gebrauchten Bewegungsabläufe (Pulli anziehen, Glas halten und alltägliche Situationen). Nach der Gymnastikstunde brachten wir die Menschen wieder in ihre Bereiche zurück.

Nachmittags hatten wir dann den Singkreis, wo wir mit den Bewohnern alte Volkslieder sangen, welche die Bewohner noch in Erinnerung hatten. Man sah den Bewohnern an, dass sie richtig Freude daran hatten. Im Anschluss wurde eine Losziehung durchgeführt wo die Bewohner Preise gewinnen konnten. Es war ein täglich wechselndes Programm für die Bewohner vorhanden, das durch uns durchgeführt wurde. Es waren Programme dabei wie Bewegungstherapie, Singkreis, Gesprächskreis, Lesekreis, Morgenkreis und andere verschiedene Aktivitäten.

In der Woche kam dann noch das Essen Reichen dazu. Ich ging mit dem Praktikanten in der Mittagszeit auf die verschiedenen Wohnbereiche und wir schauten uns dort um, wo Hilfe gebraucht wurde. Wir reichten den Bewohnern das Essen, welches sie nicht selbständig vom Teller zum Mund bekamen, brachten Bewohner in ihre Zimmer oder zogen auch mal Bewohner an, um sie zu Tisch zu bringen. Es wurde stets darauf geachtet, dass die Interessen und Fähigkeiten der Bewohner berücksichtigt und gefördert wurden.

Bei allen Programmen, die geboten wurden, hat man darauf geachtet, den kognitiven Bereich zu unterstützen, beizubehalten und zu fördern. Das Ganze aber auf eine Weise, die richtig Spaß machte.

Bis zum Schluss schockte es mich immer wieder Situationen zu erleben wie es mir zum Beispiel beim Essen Reichen passiert ist. Ich reichte einer Bewohnerin ihr Mittagessen. Während dieser Aufgabe bemerkte ich, dass sie ca. 5 Sekunden nach Aufnahme des Essens schon vergessen hatte, dass ich ihr überhaupt was gegeben hatte. Oder der Fall, dass man morgens zur Arbeit kommt und die Menschen, die man am Vortag noch gesehen hatte, mittlerweile verstorben sind.

Dies sind so einige der Grenzerfahrungen, die ich erlebt habe, wo man sich sehr schnell fragt, wieso man sich im Alltag mit Problemen auseinandersetzt, die oft eigentlich total sinnlos sind und wieso man immer darauf wartet, dass man um Hilfe gebeten wird und nicht selbst sich die Situationen sucht wo man helfen kann. Wahrscheinlich ist es einfach nur gemütlich mit einem Tunnelblick durchs Leben zu gehen und alle unangenehmen Sachen nicht zu sehen – es ist jedoch eine wunderbare Sache zu merken, dass man viel mehr gebraucht wird als es der faule Weg zulässt.

Einen großen Dank an das Team der sozialen Betreuung im Fritz-Heuner-Heim: Gabriele, Sofia und Thorsten.
An die tolle Unterstützung durch die Grünen Damen, die einen tollen ehrenamtlichen Dienst erweisen.
An Herrn Rolfsmeier, der mich in diese Richtung gelenkt hat und an Herrn Kohorst, ohne den ich das Ganze wahrscheinlich nie gemacht hätte.

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