Soziales Engagement

Erfahrungsbericht von Monika Müller

Erfahrungsbericht von Monika Müller
Ehemalige Leiterin Kompressionstherapie

Haus Bodelschwingh und Frauenübernachtungsstelle (FÜS), Dortmund

Die Entscheidung den Kurzwechsel im Haus Bodelschwingh und bei der FÜS zu machen, habe ich nach einem Vorschlag von Hrn. Rolfsmeier, dem Leiter der Bahnhofsmission getroffen.  Bei der Überlegung, was für mich eine Grenzerfahrung sein könnte, bin ich bei den Wohnungslosen gelandet. 

Das Haus Bodelschwingh (Wohngruppen von ehemals Wohnungslosen zur Resozialisierung) und FÜS gab mir die Möglichkeit diese Gruppe kennen zu lernen, ohne die Berührungsängste mit den gänzlich auf der Straße Lebenden.

Der Montag begann mit der Morgenrunde in der Frauengruppe, das war eine Wohngruppe von 2 Frauen, die aus der FÜS ins Haus Bodelschwingh übernommen worden sind. Unter anderem fragte die Sozialarbeiterin auch, ob die beiden Klientinnen bereit wären mir zu erzählen, wie und warum sie in der FÜS gelandet sind. Was beide erst einmal ablehnten. Anschließend war Ergotherapie mit der Männerwohngruppe. Zusammen mit dem Ergotherapeuten und 3 Klienten haben wir Stadt-Land-Fluss und Kniffel gespielt.

Der Vormittag endete mit der Gesprächsrunde in der Männergruppe. Inzwischen 5 Klienten (1 Neuzugang aus der JVA und 1 Mitarbeiter aus der „Werkstadt Passgenau“, der auch in der Wohngruppe lebte). Die Männer waren sehr offen und direkt und haben über ihr bisheriges Schicksal erzählt aber auch über die Hoffnung und die Chance, die ihnen die Einrichtung gibt. Den Nachmittag habe ich im Präsenzbüro verbracht, d.h. Telefondienst und Pforte.

Dienstag war wieder Morgenrunde in der Frauenwohngruppe angesagt. Dann haben ein Sozialarbeiter und ich eine offene Wohngruppe von Männern besucht, d.h. diese Männer sind nach einem maximalen Aufenthalt von einem halben Jahr im Haus Bodelschwingh in eine betreute „Wohngemeinschaft“ gezogen.

Mittags war eine Führung durch die Nordstadt mit ihren sozialen Problemen, Besuch des Kiosks und der „Werkstatt Passgenau“. Von dort aus ging es in die Beratungsstelle für Wohnungslose, wo mir die ganze Problematik der Betreuung dieser Bevölkerungsgruppe beschrieben wurde.

Am Mittwoch begann der Vormittag im „Gasthaus“, dort können Wohnungslose und Bedürftige frühstücken, duschen und die Kleidung wechseln. Das Haus finanziert sich ausschließlich aus Spenden und wird von ehrenamtlichen Helfern geführt.

2. Station an diesem Tag war die Männerübernachtungsstelle Unionstraße.
Von den Eindrücken in dieser Woche das Härteste, obwohl sich keine Bewohner tagsüber im Haus aufhalten dürfen. Nachmittags war Hospitanz in der FÜS, die voll belegt war und Bettwäschewechsel für die Klientinnen.

Nach Feierabend habe ich mit an der Gesamtteamsitzung teilgenommen.

Der angegliederte Heimathof in Breckerfeld war Donnerstag das Ziel. Hier sind suchtgefährdete ehemals wohnungslose Männer untergebracht. Nach dem Info-Gespräch durch die Heimleitung haben die Leiterin der FÜS und ich an einer Gruppensitzung teilgenommen. In der großen Gesprächsrunde haben viele Bewohner über ihre bisherigen Lebenswege gesprochen, warum sie in der Einrichtung sind, teilweise schon zum 2. Mal.

Mittags waren wir dann im so genannten „Brückentreff“ in der Nordstadt, einem Kommunikationstreff für die Klienten und die Möglichkeit eine Mittagsmahlzeit zu bekommen. Dort halten auch Sozialarbeiter Sprechstunden ab.

Die letzte Station an diesem Tag war die „nasse“ Wohngruppe in der Humperdinckstraße. Eine betreute Wohngruppe, in der kontrolliert Alkohol konsumiert werden darf.

Am Morgen des letzten Tages war wieder Morgenrunde in der Frauenwohngruppe angesagt. Ich durfte allein kommen und die inzwischen 3 Frauen haben sehr offen über ihre Probleme und ihr Leben gesprochen, was mich natürlich nach der anfänglichen Skepsis sehr gefreut hat. Im Laufe des Vormittages waren wir dann noch bei der aufsuchenden Suchtkrankenhilfe.

Als letzte Aktivität haben wir noch ein Paar mit Kind im betreuten Einzelwohnen besucht, die sich im Haus Bodelschwingh kennen gelernt haben. Den Abschluss meines Kurzwechsels bildete ein Reflexionsgespräch mit Frau Hörnschemeier der Leiterin der Einrichtung.    

Resümee:

  • Verständnis für die Situation der Wohnungslosen und anderer Randgruppen.
  • Die vielfältigen Hilfsangebote und Anlaufstellen für die Klienten zu allen Schwierigkeiten ihrer Lebenssituation haben mich beeindruckt.
  • Bewunderung und Achtung für die Leistung und das Engagement der Sozialarbeiter und der verschiedenen Institutionen.
  • Wer Hilfe sucht, bekommt sie auch!!
  • Eine Woche, die mir viele Einblicke in menschliche Probleme, Süchte, Sorgen, aber auch Hoffnungen ermöglicht hat.

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